
Trachtenpuppen Schweiz
Vor Kurzem ist die Sammlung des Museums Blumenstein um eine Schenkung reicher geworden. Die Nachkommen der am 30. April 2026 verstorbenen Katharina "Käthy" Tanner-von Känel haben dem Museum 40 Trachtenpuppen übergeben. Diese hat Käthy Tanner, welche am 26. Dezember 1946 in Solothurn auf die Welt gekommen ist, in unzähligen Stunden, mit viel Sorgfalt und Liebe zum Detail, von Hand hergestellt. Sie hat ihren Traumberuf "Schneiderin", welchen sie nie erlernend durfte, zum Hobby gemacht und so dürfen wir uns heute an diesen wunderbaren Zeitzeugen unserer Trachten erfreuen.
Für die Ausstellung wurden zehn Stücke aus der Sammlung ausgewählt. Diese greifen das Thema der historischen Trachten auf und ergänzen teils das Bildmaterial der Installation.
Die die Schenkung ist während der Aufbauphase im Museum eingetroffen und konnte bisher noch nicht kategorisiert und in das Sammlungsinventar aufgenommen werden. Die Ausstellungsstücke werden deshalb in der Folge nur kurz beschrieben.
Blaue Tracht, Sonntagstracht, Haslital, BE
Alle Haslital Trachten gehen auf die Empire Epoche 1790 bis 1820 zurück. Typische Empire-Merkmale sind die hochgeschnittene Taille und das schmale Rückenteil. (Bernische Trachtenvereinigung)
Zur Tracht gehört das geblümte Schultertuch aus der Reisläuferzeit. Typisch ist die gestärkte Deckelfalte am Ärmel. (Das Schweizer Trachtenbuch)
Bezeichnend für diese Tracht sind die violetten Strümpfe. Diese Frauentracht ist das Gegenstück zur ausgestellten historischen Tracht aus dem Kanton Bern, welche mit Stoff aus dem Haslital, im Hasliblau, gefertigt wurde.
Bredzon, Sennentracht, Greyerz, FR
Bezeichnend für den Französichen Teil des Kantons Freiburg sind der Bredzon, die Tracht des "armailli", des Sennen aus Zwilch und mit kurzen Puffärmeln. Charakteristisch und nicht fehlen darf der "loï", die lederne Lecktasche, welche mit Lederriemen bestickt ist.
Burschentracht ZG
Die Überlange Zipfelmütze dient ausschliesslich als Zirde und wird nicht auf dem Kopf getragen.
Die Burschtentracht wird mit blauen Kniebundhosen oder schwarzen langen Hosen getragen. Die mit Kirschenmotiv und Streifen bestickte Zipfelmütze ist der Farbtupfer auf der Schulter des Gilets. (Das Schweizer Trachtenbuch)
Chränzlitracht, Sensebezirk, FR
Die Chränzlitracht ist eine historische Tracht, bestehend aus 23 Bestandteilen. Im Chränzli wiederspeigeln sich alle Farben dieser Tracht. Der Ursprung der blauen Halskrause ist in der spanischen Mode des 16. Jahrhunderts zu suchen. Das plissierte Hemd wird auch von der Musikgesellschaft Düdingen getragen. (Das Schweizer Trachtenbuch)
Diese Tracht weist einen engen kirchlichen Bezug auf, dank welchem sie sehr erfolgreich gepflegt und schon über Generationen hinweg getragen wird.
Dzaquillon, Greyerz, FR
Das Pendant zum Bredzon, die farbige Frauentracht, der Dzaquillon, mit der für das katholische Kantonsgebiet typischen Latzschürze.
Elber Fäckenrock, BE
Der elbfarbene Fäckenrock gerät leider immer mehr in Vergessenheit. Wer kennt denn heute noch die Begriffe "elb" und "Fäcke"? Sie benennen das Kleidungsstück in aller Klarheit und Einfachheit.
Aus wärschaftem Tuch gefertigt eignet er sich auch kaum für Hochsommertemperaturen. Im Kanton Bern war er in verschiedenen Landesteilen verbreitet. Je nach Ausführung mit oder ohne schwarze Verbändelung (Einfassung).
Festtagstracht, BS
Die Festtagstracht des Kantons Basel-Stadt wurde nach einem Bildnis der Margareta Meyer-Spörlin, Tochter des Stadtschreibers Paulus Spörlin und der Elisabetha Bischoff, geschaffen. Das Ölbild von 1660 eines unbekannten Malers ist im historischen Museum Basel zu finden.
Historische Herrentracht, FR
Im Gegensatz zur bekannten Chränzlitracht, welche wegen ihrer Einzigartigkeit viel bewundert und ausgiebig beschrieben ist, gibt es über das Pendant dazu, die Herrentracht, kaum etwas zu lesen. Der Herr in der historischen Tracht ist nur Nebensache und nicht halb so interessant, wie die geschichtsträchtige Braut- und Gottentracht der Frauen.
Oberengadiner Festtagstracht, GR
Zu den Engadiner Festtagstrachten werden Bernsteinketten oder kostbarer Familienschmuck getragen. Ein weiteres Merkmal der Engadiner Festtagstrachten sind die gestickten Streublumen auf der Schürze. (Das Schweizer Trachtenbuch)
Nicht weniger wertvoll sind die reich bestickten Schultertücher, welche für die Bündner Trachten bezeichnend sind. Die Oberengadiner Festtagstracht unterscheidet sich durch das rote Mieder von der Unterengadiner Festtagstracht. Im Unterengadin ist das Mieder schwarz.
Weisses Hirtenhemd, SZ
Eine lange Tradition hat die Werktagstracht der Männer. Das unbestickte weisse Hirthemd mit Kapuze schützte beim Eintragen der Heuburdi vor losem Heu im Nacken. Daher ist diese Werktagstracht, das Hirthemd, auch ausserhalb des Kantos bekannt. Die Varianten bestehen in V- und Rundhalsausschnitt. Zur Werktagstracht werden heute noch von Frauen wie Männern schafwollenen Socken und Länderbäden genannte Holzschuhe getragen. (Das Schweizer Trachtenbuch)