
Schybitracht
Die «Schybitracht» stammt aus dem Entlebuch im Kanton Luzern und wird von den Sängern des Jodlerchörli Lehn aus Escholzmatt getragen. Es war auch dieser Verein, der die Tracht nach einer Vorlage des Luzerner Trachtenmalers Josef Reinhart ins Leben gerufen hat. Die auf 1820 datierte kolorierte Kupferradierung trägt den Titel «Paysan de l`Entlibouc Canton de Lucerne». Vereinsmitglieder entdeckten die Darstellung in ihrem Stammlokal, dem Gasthaus Bahnhof in Escholzmatt; das Original befindet sich vermutlich im Besitz der Gemeinde. 16 Jahre nach der Vereinsgründung führte das Jodlerchörli 1977 eine neue Vereinsbekleidung ein. Seither wird die «Schybitracht» getragen.
Namensgeber der Tracht ist der Escholzmatter Bauernkriegsführer Christian Schybi, einer der Anführer im Bauernkrieg von 1653. Er wurde um 1595 in Escholzmatt geboren. Wegen seiner Rolle im Aufstand und unter dem Vorwurf der Hexerei wurde er gefoltert und am 7. Juli 1653 in Sursee mit dem Schwert enthauptet.
Zwischen der Namensgebung und der Bildvorlage besteht kein zeitlicher Zusammenhang; der Name ist rein symbolisch zu verstehen. Es gibt keine Hinweise darauf, dass Christian Schybi bereits Kleidung im Stil dieser Tracht trug.
Kennzeichnend für die Tracht ist der kurze Kittel beziehungsweise Gehrock. Auf den meisten Trachtenbildern dieser Zeit tragen Männer dagegen einen mindestens knielangen Gehrock nach alter französischer Mode.
Auch auf anderen Darstellungen trägt der Entlebucher Bauer eine kurze Jacke. Ob dies modische Gründe hatte, dem sparsamen Umgang mit Stoff geschuldet war oder mit der abgeschiedenen Lage des Entlebuchs zusammenhing, lässt sich heute nicht eindeutig bestimmen.

Habitant d'Entlibuch; La Suisse en miniature, Blatt 12, 1810, verm. Franz König (Bildquelle: wikimedia.com)