
Joggelitracht
Vreneli und Hansjoggeli aus dem bekannten Guggisberglied sind bis heute vielen Menschen ein Begriff. Wie bei der Schybitracht bleibt jedoch fraglich, ob der Namensgeber Simes Hans Joggeli in jungen Jahren bereits eine solche Kleidung trug.
Hans Jakob lebte nachweislich von 1644 bis 1736. Die im Lied erzählte Geschichte wird auf die Zeit zwischen 1660 und 1670 datiert; erstmals erwähnt wurde das Volkslied 1741. Die älteste erhaltene Textfassung stammt von 1764 (Quelle: wikipedia.org).
Die erste Guggisberger Tracht ist ungefähr 1791 dokumentiert nach einem Bild von Josef Reinhardt und wurde in dieser Art bis in den Beginn unseres Jahrhunderts übernommen (Die Berner Trachten - Vieux Costumes du Canton de Berne, Herausgegeben von der Bernischen Vereinigung für Tracht und Heimat 1973).
Im Buch «Unsere Berner Trachten – Nos costumes bernoises», Herausgegeben von der Bernischen Vereinigung für Tracht und Heimat 1989 wird die Tracht wie folgt beschrieben:
«Im hügeligen Grenzgebiet zu Freiburg mit den dunkeln Wäldern und den tiefen Tälern lebten die Menschen früher recht abgeschieden, dazu auch sehr bescheiden. So konnten sich diese eigentümlichen Gewänder ausbilden und teilweise erhalten, die nach dem melancholischen Guggisbergerlied auch etwa Joggeli- und Vrenelitracht genannt werden. Sie sind mit den Trachten des benachbarten Sensebezirks verwandt. Joggeli trägt zur kniekurzen Manchesterhose ein verschlussloses Gilet mit aufgestrickten Knopflöchern. Eine Besonderheit sind auch die roten Strumpfbänder.»
Bemerkenswert ist, dass die Beschreibung des Gilets «mit aufgestrickten Knopflöchern» nicht mit dem Foto übereinstimmt. Die Beschreibung aus dem vorhergehenden Trachtenbuch von 1973 passt besser zum Foto: «Die Männertracht (Joggelitracht) ist unverändert übernommen worden, geht also zurück in die Zeit des erwähnten Bildes von J. Reinhardt.
Hemd und Strümpfe sind gleich wie bei der Frauentracht, die Strümpfe sind unter dem Knie mit einem roten Zierband gebunden. Das Gilet ist aus rotem Wollstoff und mit einem grauen, doppelfädigen Futterstoff abgefüttert. Es ist mit einem weissen Wollband eingefasst und hat weisse metallene Zierknöpfe.
Die Hose ist aus schwarzem Manchesterstoff, knielang und mit drei Metallknöpfen auf der Seite verziert.
Als Kopfbedeckung wird die überlieferte weisse Zipfelmütze getragen. Dazu kommen schwarze Halbschuhe.»

Abbildung aus "Trachten der Schweiz", 1978
Ein weiteres bemerkenswertes Detail ist der Manchesterstoff der Hose. Der auch als Cord bekannte Stoff wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts nachweislich in der englischen Stadt Manchester hergestellt; daher stammt die Bezeichnung Manchesterstoff. Zur Entstehungszeit des Reinhardt-Bildes dürfte er als modischer Stoff gegolten haben.
Die Tracht wird heute leider nicht mehr oder nur noch zu ganz besonderen Anlässen getragen. Der Trachtengruppe Guggisberg fehlt es an Mitgliedern und sie ist aktuell daran, die noch verbliebenen Trachtenstücke dem Verneli-Museum zu übergeben